Frauen als Zielgruppe: „Lux: Das milde Feuer“-Anzeige 1955.
Quelle: Stadtteil-Archiv Bremen-Neustadt

Aufstieg und Niedergang der Firma Martin Brinkmann in Woltmershausen

Die traditionsreiche Firma Martin Brinkmann Tabakfabriken GmbH hatte einen guten Namen und brachte in besten Zeiten bis zu 6000 Mitarbeiter in Lohn und Brot. Unter der Leitung von Franz, Hermann und Wolfgang Ritter ging es stetig aufwärts. Die 1960er und 1970er Jahre ließen das Werk in Woltmershausen zur maximalen Größe wachsen. Doch durch die Konzentration auf ertragreiche Marken, Kostendruck, verändertes Verhalten der Konsumenten und die veränderte Steuergesetzgebung wurde die Firma Martin Brinkmann gänzlich von BAT British American Tobacco (Industrie) GmbH übernommen. 2014 kam dann das endgültige „Aus“ für die Fabrikation in Woltmershausen.

Auszug aus der Firmenchronik:

1813

gründete der Bremer Kaufmann Nikolaus Wilkens eine Tabakhandlung, aus der eine kleine Tabakfabrik in Burgdamm entstand.

1837

trat Heinrich Johannes in die Firma ein, die jetzt Wilkens & Johannes hieß. Es wurden auch Zigarren hergestellt und Tabak verkauft.

1878

wurde die Firma vom Kaufmann August Martin Brinkmann übernommen. Der neue Firmenname war: Martin Brinkmann. Auf Martin Brinkmann folgte sein Sohn Wenzel.

1899

Wenzels Witwe verkaufte die Firma an Franz Ritter (1836 bis 1907), mit dem man schon in jahrelanger Geschäftsbeziehung gestanden hatte.

1900

übernahm Franz Ritters Sohn Hermann (1878 bis 1949) erst 22-jährig die Firma. Mit ihm begann der Aufstieg zum Großkonzern. Er übernahm Tochterfirmen in Treffurt (bei Eisenach) und Heidelberg.

1910

wurde die Tabakfabrik in Burgdamm aufgegeben und eine neue Fabrik in Woltmershausen aufgebaut.

1929

war Brinkmann Europas größte Tabakfabrik und wurde Aktiengesellschaft.

Wolfgang Ritter, 1958:
Gesellschafter und Geschäftsführer der Martin Brinkmann AG.
Quelle: Stadtteil-Archiv Bremen-Neustadt

1931

erhielt die Zigarettenfabrikation wachsende Bedeutung. Die Zahl der Mitarbeiter betrug jetzt 2500.

1933

übernahm Sohn Wolfgang Ritter (1905 bis 1993) die Geschäftsleitung des Unternehmens, das nun 4000 Mitarbeiter hatte.

Bei Brinkmann wird das Große größer

1945

begann die umgehende Beseitigung der Kriegsschäden am Werk, es ging langsam wieder bergauf. Brinkmann ist eine GmbH.

1960

Die Zigarettenmarke Peer Export von Brinkmann ist europaweit erfolgreich.

1962

Lord Extra ist die meist gerauchte nikotinarme Zigarette der Welt.

1963

wurde die Straße vor dem Werksgelände in Hermann-Ritter-Straße umbenannt.

1967

trat die Firma in eine enge Verbindung mit der Kristinus GmbH (Schwager von Wolfgang Ritter) und übernahm einige Zigarettenfabriken. Brinkmann rückte an die Spitze der Zigarettenunternehmen auf.

Automaten-Marken-Stecker (50x32mm) einiger Marken aus dem Hause Brinkmann,
um 1970: 21 Stück DM 1,75 DM, bei 2.- DM Einwurf 25 Pfennig zurück. 12 Stück gab es für 1.- DM, 20 Stück für 2.- DM.
Quelle: Peter Strotmann

1968

beendete Wolfgang Ritter sein aktives Berufsleben.

1972

übernahm Rothmanns die Mehrheit der Aktien.

1973

erhielt die Belegschaft ein eigenes Schwimmbad mit Trimmanlagen auf dem Werksgelände.

1992

wandelte Rothmans die Firma in eine GmbH um gab ihr den Namen Rothmans. Große Teile der Produktion und Verwaltung wurden nach Hamburg und Berlin verlegt. Die operative Leitung erfolgte von Amsterdam aus.

1999

wurde Rothmans vom britischen Tabakkonzern BAT übernommen. In den Gebäuden in Woltmershausen wurden späterhin nur noch Filterzigarillos hergestellt und Rohtabak gelagert.

Brinkmann in Woltmershausen ist passé

Als dann 2013 das 200-jährige Firmenjubiläum gefeiert wurde, waren in Woltmershausen nur noch 120 Mitarbeiter des ehemaligen großen Unternehmens Martin Brinkmann übrig. Von diesen konnten 2014 etwa 80 Mitarbeiter in die Brinkmann Raucherbedarf GmbH wechseln. In einem neuen Werk am Bremer Kreuz werden nunmehr unter dem Dach der niederländischen Inhaber Mignot & De Block B.V. „Gizeh“-Filterhülsen produziert, und zwar für Raucher, die ihre Zigaretten selbst mit Tabak stopfen möchten. Die Gebäude in Woltmershausen sind heute (2017) verkauft und fremdvermietet.

von Peter Strotmann

Eine Welt für sich: die Martin Brinkmann Tabakfabriken in Woltmershausen.
Quelle: Peter Strotmann

Jung, aber mit viel Geschichte

50 Jahre
Universität Bremen

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