Vor 50 Jahren

Auf dem Bremer Freimarkt geht es zwar immer noch rund, aber nicht mehr auf dem Pferderücken. Eine jahrzehntelang dazugehörende Attraktion fehlt in diesem Jahr: Haberjans Hippodrom wurde zum ersten Mal nicht aufgebaut. Und alte und junge Bremer vermissen die Gelegenheit, sich auf kleinen und großen Pferderücken als stolze Reiter zu fühlen. (WESER-KURIER, 19. Oktober 1971)

Hintergrund

Aufhören wollte Carsten Haberjan im Herbst 1971 eigentlich nicht. Trotz seines fortgeschrittenen Alters hatte der damals 69-Jährige keineswegs von langer Hand geplant, die Freuden des Ruhestands zu genießen. Sein Hippodrom, der legendäre Schaustellerbetrieb aus der Bremer Neustadt (mehr dazu hier), war in seinen Augen noch lange nicht am Ende. Es fand sich aber kein Personal mehr für die nicht gerade attraktive Arbeit. „Wer gibt sich heute schon dazu her, morgens die Pferde zu füttern und dann bis zum späten Abend auf dem Freimarkt zu sein?“, klagte er im Gespräch mit dem WESER-KURIER.

Hatte einen Stock, keine Peitsche: Carsten Haberjan jr. um 1967.
Quelle: Familie Porsch

Doch sich in nostalgischen Erinnerungen an bessere Zeiten zu ergehen, damit wollte sich Haberjan nicht aufhalten. Wenn das Hippodrom mit bloßer Saisonarbeit nicht zu betreiben war, musste eben ein anderes Format her. Seine Idee: eine ständige Reitbahn in einem festen Haus. Um die zu betreiben, bräuchte man dauerhaft Hilfskräfte. Und dann würde sich auch wieder eine Perspektive für den Freimarkt eröffnen. Der einzige Haken an der Sache: Es fehlte an dem nötigen Geld.

Die Träume Haberjans sollten sich nicht erfüllen. Nur sein Kinderkarussell mit den Shetland-Ponys überdauerte das Hippodrom noch ein paar Jahre als fester Bestandteil des Bremer Weihnachtsmarkts. Damit ging eine Tradition zu Ende, die im Dreikaiserjahr 1888 ihren Anfang genommen hatte. Damals hatte Haberjans gleichnamiger Vater erstmals ein paar Runden auf dem Pferd als neues Erlebnis angeboten. Der Slogan „Reiten kann ein jedermann, im Hippodrom von Haberjan“ wurde über Bremen hinaus zum Begriff.

Nicht nur auf dem Freimarkt ließ sich Haberjans Hippodrom blicken. In den Glanzzeiten gingen sogar zwei „Pracht-Hippodrome“ auf Tour, eine dritte Ausführung diente als Reserve. Auf der Schauseite waren aufwendig gemalte Pferdeszenen zu sehen, dahinter verbarg sich ein zirkusartiges Zelt mit Ausschank. Regelmäßig steuerte Haberjan die Jahrmärkte in Delmenhorst, Oldenburg, Bremerhaven und Cuxhaven an. Der Radius reichte bis nach Hamburg, Hannover und Rostock. Das 80-jährige Bestehen wurde 1968 noch kräftig begossen. Nur zwei Jahre später schlug Haberjans Hippodrom zum letzten Mal auf dem Freimarkt auf. Carsten Haberjan starb im Alter von 87 Jahren im November 1988.

Mal in Farbe statt nur in schwarz-weiß: Haberjans Hippodrom 1961 auf dem Bremer Freimarkt.
Quelle: Familie Porsch

Von Anbiet bis Zuckerklatsche

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