Kolorierter Plan des Hofes von 1720: Der gebogene Straßenverlauf findet sich noch heute in der Straße Zur Munte. Der Kuhgraben ist zugeschüttet und ist jetzt die Fahrbahn der Parkallee zur Universität. Die Hofstelle „Munte I“ ist im unteren Bereich eingezeichnet, die der „Munte II“ im oberen Bereich des Plans zu sehen.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

Gaststätten-Lexikon: die Geschichte der Munte I – das Ausflugslokal brannte 1972 ab

Auffallend viele Menschen erinnern sich an die „Munte I“. Das war ein Ausflugslokal an der Parkallee, aber von der Straße durch den Kuhgraben getrennt. Durch die regelmäßigen Tanzveranstaltungen war es sehr beliebt. Das Haus hat eine lange Geschichte, die bis 1720/26 zurückgeht, ist aber immer eine Schenkwirtschaft gewesen. Die nahen Grüngebiete Bürgerpark und Stadtwald, und vorher schon die Bürgerweide, haben stets Gäste angezogen.

In den 1920ern wurde die Hofstelle aufgegeben, und es entstand ein großes Ausflugslokal. Im Zweiten Weltkrieg wurde es schwer beschädigt. Doch schon Ende der 1940er konnte der Betrieb weitergehen. Der Wirt engagierte immer gute Kapellen, nach deren Musik getanzt wurde. Am Samstagabend waren meist die jungen Leute da. Es wurde getanzt und geflirtet. Nachweislich sind auch so einige Freundschaften und sogar Ehen durch den Besuch in der „Munte I“ entstanden, die bis heute anhalten. Am Sonntagnachmittag war Tanztee, der gerne von etwas älteren Gästen besucht wurde.

Ende der 1960er Jahre hatte es sich „ausgetanzt“, die Gaststätte schloss die Pforten. 1970 wurde noch ein letztes Mal versucht, das Lokal wiederzubeleben. Als das Haus schon leergeräumt und zum Abriss bereit war, kam es 1972 zu einem sogenannten „warmen Abriss“, dem endgültigem „Aus“ der Munte I. Vermutlich hat auch Anfang der 1970er begonnene Ausbau der Parkallee zur Anbindung der Universität mit zum Niedergang der Gaststätte beigetragen.

Ein Hochhaus mit 29 Stockwerken

Brandruine des Kaffeehauses am Stadtwald, 1910.
Quelle: Peter Strotmann

Die Eigentümerin plante auf dem Areal ein Mehrfamilienhaus zu errichten, das Stadtplanungsamt hätte dort sogar gern ein 29-stöckiges Hochhaus gesehen. Doch dazu ist es nicht gekommen und auch der bestehende Bebauungsplan wurde nicht geändert.

Heute ist auf dem Gelände ein kleines Wäldchen entstanden. Es ist eigentlich eine kleine Idylle, wenn nicht die Eisenbahnlinie Richtung Hamburg und die Autos der Parkallee die Ruhe stören würden. Wer in dem Wäldchen genauer hinschaut, der findet auch noch einige Fundamente der alten Gaststätte „Munte I“.

Munte I – Chronologie in Kurzform

1159

wird der Ort Schwachhausen in einer Urkunde erstmalig erwähnt. Ab 1596 gehörte Schwachhausen zum Kirchspiel St. Remberti. Nach dem 30-jährigem Krieg (1618 bis 1648) kam Schwachhausen unter schwedische Herrschaft. 1719 kaufte Hannover den Schweden das Gebiet ab. Erst 1803 bekam Bremen die Herrschaft über Schwachhausen.

Nach dem 11. Luftangriff (2. Juli 1940) ist die Munte I stark beschädigt. Hans Junker ist damals der Wirt.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

1334

wird die „Munte“ urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von der Familie Munt ab. Diese stellte mehrere Senatoren.

1720

Aus diesen Jahr stammt eine Urkunde zum Bau eines Hauses und einer Gastwirtschaft am Kuhgraben auf dem Areal der „Munte I“. Dazu kam es jedoch nicht.

1726

ist Jacob Buse (auch Buhse geschrieben) in den Vertrag eingetreten. Er eröffnet die „Krügerey“ und ist damit offenbar sehr erfolgreich, da auch Spielleute bei ihm verkehren und die meisten Gäste bevorzugt bei ihm einkehren. Es kam zu einem längeren Rechtsstreit mit einem Konkurrenten, wie es die Akten im Staatsarchiv Bremen belegen. Nach der Familie Buse, die bis 1824 die Vögte in Schwachhausen stellte, ist die Busestraße benannt.

1770

Von 1730 bis 1770 gibt es noch nicht geklärte Familienverhältnisse, bis dann Tölke Gartelmann und Adelheit Peiß am 21. Juni 1770 heiraten und die Hofstelle Munte I als Meier übernehmen.

Hoch das Bein: Anzeige vom 7. Dezember 1963.
Quelle: Weser-Kurier

1808

geht Johanna, eine der Töchter, eine Ehe mit Dierich Harjes ein. In den Bremer Adressbüchern wird Dierich als Schenkwirt der Munte I bezeichnet.

1899

Für dieses Jahr ist belegt, dass der Hof an die Familie Kropp gegangen ist. Das könnte mit der Familie Kropp, der Schwägerin von Tölke Gartelmann, in Zusammenhang stehen.

1910

macht ein ein Brand das Kaffeehaus „Munte I“ zur Ruine. Es wird wieder aufgebaut.

Kaffeehaus am Stadtwald: Der 2500 Personen fassende Konzertgarten mit Freilichtbühne und Freilichttanzfläche, Ansichtskarte 1941.
Quelle: Peter Strotmann

1920er

In dieser Zeit wird die Hofstelle aufgegeben, durch An- und Umbauten entsteht aus der einfachen Schenkwirtschaft ein richtiges Ausflugslokal, das Kaffeehaus am Stadtwald.

1940

Beim 11. Luftangriff (2. Juli 1940) auf Bremen wird das Gartenlokal „Munte I“ schwer beschädigt.

1940er

Ende der 1940er ist das Kaffeehaus am Stadtwald Munte I wieder aufgebaut und der Betrieb geht weiter.

1951

Bremens erste große Jam Session findet in der „Munte I“ am 2. Juli 1951 statt. Bis zum Morgengrauen spielen 25 Jazzmusiker vor einem äußerst begeisterten Publikum.

1950er und 1960er

In diesen Jahren ist regelmäßig an den Wochenenden Tanz, und zwar samstagabends ab 19.30 Uhr , Sonntagnachmittag gibt es ab 15 Uhr ein Konzert und ab 17.30 Uhr Tanztee. Das Lokal ist durch die Straßenbahn von der Endstation Kulenkampffallee gut zu erreichen.

Hochhaus mit 29 Stockwerken auf dem Gelände der ehemaligen Gaststätte „Munte I“: Projekt des Stadtplanungsamtes Bremen, 1973.
Quelle: Weser-Kurier

1970

Neueröffnung der Munte I am 23. Januar 1970 durch Hans-Dieter Meyer und Christa Königstein. Freitags und samstags kann getanzt werden.

1972

In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1972 geht das Kaffeehaus „Munte I“ in Flammen auf. Es war bereits geräumt und sollte abgerissen werden. Die letzte Eigentümerin hatte das Grundstück verkauft, weil dort möglicherweise eine Mehrfamilienhaus gebaut werden soll.

1973

Am 5. März 1973 stellt das Stadtplanungsamt dem Beirat Schwachhausen das Ergebnis eines internen Wettbewerbs zur Bebauung des Grundstücks „Munte I“ vor. Hier könnte ein Wohnturm mit bis zu 29 Stockwerken und dazugehörigen Nebengebäuden entstehen. Das Projekt wird nicht realisiert.

2015

Mit Stand vom 21. November 2015 erstellt die Historikerin Cornelia Kriete eine zehnseitige Familienchronik unter dem Titel „Gartelmann an der Munte“.

2017

Das Gelände der „Munte I“ ist nicht bebaut worden, vielmehr ist in den Jahren an der Ecke Bahnlinie und Parkallee ein kleines Wäldchen entstanden. Dort sucht und findet Peter Strotmann noch einen Teil der alten Fundamente der „Munte I“.

von Peter Strotmann

Eionst ein beliebter Treffpunkt: Restaurant und Café – Munte I – Bremen Am Stadtwald,
Ansichtskarte aus den 1960er Jahren.
Quelle: Peter Strotmann

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