Beim Bahnhofsbau 1862 gehörte Grohn noch zum Königreich Hannover / Erst 1939 wurde das Gebiet bremisch

Eigentlich nicht in Vegesack: Wie auf einem Plan von 1860 zu sehen, liegt der Bahnhof Vegesack in Grohn und damit außerhalb von Vegesack und dem Bremer Gebiet. Das Flüsschen Aue bildet die Grenze. Der Bahnhof ist in rot eingezeichnet.
Quelle: Wikimedia Commons

Mag man sich das vorstellen: Von Bremen nach Vegesack gab es bis Anfang der 1800er Jahre keine feste Straße. Wenn irgendetwas von Bremen nach Vegesack transportiert werden musste oder umgekehrt, ging das über die Weser per Schiff oder aber über den Landweg. Der war unbefestigt und schlängelte sich von Dorf zu Dorf. Doch da blieben die Wagen oft im Sand und Schlamm stecken. Die Weser war versandet und zudem im Winter zugefroren. Das war alles sehr beschwerlich. Damit war 1832 Schluss. Denn da konnte die Straße von Burgdamm nach Vegesack endlich dem Verkehr übergeben werden.

Wie bekannt, fuhr die erste Eisenbahn im Dezember 1835 von Nürnberg nach Fürth und eröffnete damit das Eisenbahnzeitalter. Doch es sollte noch einige Jahre dauern, bis ganz Deutschland vernetzt war. 1859 schlossen Bremen und Hannover einen Staatsvertrag zum Bau der Strecke Bremen-Geestemünde. Das war eine Fortsetzung der bereits 1847 eröffneten Strecke von Wunstorf nach Bremen. Der erste Bremer Hauptbahnhof,  der sogenannte Hannoversche Bahnhof, lag mitten zwischen dem heutigen Hauptbahnhof und der Bürgermeister-Smidt-Straße (früher: Georgstraße).

Die Bahnstrecke von Bremen-Hauptbahnhof nach Grohn-Vegesack
im Jahre 1934, Länge 17,2 km.
Quelle: Buchenau 1934

Doch die Anbindungen ans Bremer Staatsgebiet musste sich Bremen im Wesentlichen selbst schaffen. Das erforderte große finanzielle Anstrengungen. Außerdem mussten die Linien so gelegt werden, wie der Nachbar es wünschte. Die Verbindung von Geestemünde (heute Stadtteil von Bremerhaven) zum bremischen Hafengebiet Bremerhaven wurde von Bremen allein gebaut und 1862 eröffnet. Gleichzeitig erfolgte der Bau der Strecke von Burg-Lesum zum Bahnhof  Grohn-Vegesack (5,9 km), die ebenfalls 1862 in Betrieb ging.

Die Eisenbahn bringt den Aufschwung in die Region

Vom Bahnhof Grohn-Vegesack, einem Sackbahnhof,  wurden noch Schienenstränge zu den Vegesacker Hafenanlagen gelegt. Aber es sollte noch 27 Jahre dauern, bis die Eisenbahnstrecke Vegesack-Farge (10,4 km) am 31. Dezember 1889 eröffnet wurde.

Die großen Werke, wie der Bremer Vulkan, die Wollkämmerei in Blumenthal und die Witteburg in Farge, erhielten damit einen Gleisanschluss. Die Bahn hat somit wesentlich zum wirtschaftlichen Aufschwung in der Region beigetragen.

Bei genauer Betrachtung liegt der Bahnhof Vegesack in Grohn. Und Grohn gehörte beim Bau des Bahnhofs zu Hannover und ab 1866 zu Preußen. Deshalb hieß der Bahnhof Grohn-Vegesack sowie die Zwischenbahnhöfe Lesum, St. Magnus, Schönebeck. Mit der Eingliederung dieser Gebiete 1939 in den Bremer Staat wurden auch die Bahnhöfe umbenannt. Und so heißen sie noch heute: Bremen-Burg, Bremen-Lesum,  Bremen-St. Magnus, Bremen-Schönebeck, Bremen-Vegesack.

Eine Regio-S-Bahn RS 1 im Bremer Hauptbahnhof am 18. April 2016 abfahrbereit nach Bremen-Farge.
Foto: Peter Strotmann

Ab 1957 nur noch elektrisch

Auf der seit 1862 bestehenden Strecke fuhren seinerzeit Güter- und Personenzüge mit Dampflokomotiven. Im Personenverkehr wurden sie um 1950 durch Triebwagen mit Dieselmotor abgelöst. Das müssen wahre „Donnerbüchsen“ gewesen sein. So schreibt es der jedenfalls Weser-Kurier.  Am 12. Mai 1957 kommen die neuen sieben Akku-Eiltriebwagen auf den Strecken Bremen-Vegesack und Bremen-Bremerhaven zum Einsatz. Jeder Zug bestand aus einem Motorwagen mit Anhänger. Der Antrieb erfolgte mit zwei Elektromotoren. Die Energie kam aus den mitgeführten Akkumulatoren, die nach 250 Fahrstunden wieder aufgeladen werden mussten.

Der Vegesacker Bahnhof und Bahnhofsvorplatz im April 2016. Im Hintergrund ist der Hochhauskomplex „Grohner Düne“ zu sehen. Foto: Peter Strotmann

Der Vegesacker Bahnhof und Bahnhofsvorplatz im April 2016.
Im Hintergrund ist der Hochhauskomplex „Grohner Düne“ zu sehen.
Foto: Peter Strotmann

Das war schon sehr fortschrittlich.

In den Jahren 1966/67 wurden die Strecken um Bremen herum elektrifiziert. Dazu mussten Masten gesetzt und Oberleitungen gezogen werden. Am 26. Mai 1967 konnte der erste Zug mit einer elektrischen Lokomotive von Bremen nach Vegesack fahren.

1996 setzte die Deutsche Bahn (seit 1994 nicht mehr Deutsche Bundesbahn) auf der Stadt-Express-Linie Verden-Bremen-Vegesack erstmals Doppelstockwagen ein. Die Strecke Vegesack-Farge (Personenverkehr 1961 eingestellt) wird 2007 elektifiziert und durch die Nord-West-Bahn betrieben. 2011 erhielt die Nord-West-Bahn den Zuschlag für die für Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen. Die Linie RS 1 bedient die Strecke Verden-Bremen-Vegesack-Farge.

von Peter Strotmann

Ein gediegener Klinkerbau ganz im Stil der Zeit: der Bahnhof Grohn-Vegesack um 1870. Ganz rechts steht eine Dampflokomotive. Quelle: Staatsarchiv Bremen

Ein gediegener Klinkerbau ganz im Stil der Zeit: der Bahnhof Grohn-Vegesack um 1870. Ganz rechts steht eine Dampflokomotive.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

Jung, aber mit viel Geschichte

50 Jahre
Universität Bremen

50 Jahre sind seit der Gründung der Universität Bremen vergangen. Auf dem Weg von der vermeintlichen roten Kaderschmiede zur Exzellenzuniversität ist viel passiert: Wir haben den ersten sowie den aktuellen Rektor interviewt und mit Absolventen gesprochen – zu denen auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte gehört. Zudem hat uns ein Architekt über den Campus begleitet. Das Magazin der Reihe WK | Geschichte gibt es ab 18. September in den ­Kundenzentren des WESER-­KURIER, im Buch- und Zeitschriftenhandel, online unter www.weser-kurier.de/shop und unter 0421 / 36 71 66 16.

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