Vor 50 Jahren

Man kann den Bremern offenbar doch nichts Schönes in die Stadt stellen. Danach sieht es jedenfalls auf dem Bahnhofsplatz aus. Denn dort mußte das Gartenbauamt die neue Springbrunnenanlage außer Betrieb setzen, kaum daß die hübschen Fontänen zu sprühen begonnen hatten. Wie sich bei einer Untersuchung herausstellte, war der Wasserkreislauf bereits mit Unrat verstopft. Demnach hätte man auf dem Platz statt etwas Schmückendem wohl lieber eine Müllverbrennungsanlage aufstellen sollen. (WESER-KURIER, 17./18. April 1971)

Hintergrund

Die Worte waren ebenso drastisch wie launig gewählt, eine Müllverbrennungsanlage sei angesichts der Verschmutzung des neuen Brunnens sinnvoller. Zwei Leserbriefe geißelten in der Folgewoche den vielen Unrat in der Stadt. Bausenator Stefan Seifriz (SPD) hatte die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes eigentlich mit wohlfeilen Tönen angekündigt. Obschon im Bewusstsein, dass er nicht über die nötigen Haushaltsmittel verfügen würde, um die Stadt mit Blattgold zu verzieren. So sollten doch wenigstens Blumenkübel und Brunnen für eine Verschönerung des Stadtbildes sorgen.

Und 500 zusätzliche Abfalleimer waren auch versprochen. Ob diese damals noch nicht aufgestellt oder einfach nur nicht genutzt wurden, lässt sich heute nicht mehr klären. Doch auch noch in den 1990er-Jahren, so berichten Zeitzeugen, war der aus drei Fontänen bestehende Brunnen allzu oft voller Glasscherben.

Die schwarz-weiße Waschbeton-Ästhetik, mit der ab Ende der 1960er-Jahre das Bahnhofsumfeld neu gestaltet wurde, verlor zwar mit der Zeit an Sogwirkung, doch damals galt es, den Hauptbahnhof und sein Umfeld neu zu beplanen, zu bebauen und an die Altstadt anzubinden. 1967 wurde mit den Bauarbeiten auf dem Bahnhofsplatz begonnen. Der einstige Opel-Turm, der markantes Wahrzeichen und Werbeplattform war, wurde abgerissen. Bei seiner Eröffnung im Jahr 1925 sollte der Bau des Architekten Heinz Stoffregen etwas von der weiten Welt nach Bremen bringen. Manche fühlten sich gar an New York erinnert (mehr dazu hier).

Gleich neben dem Opel-Turm, der seinen Namen den großen Werbebannern der Rüsselsheimer Autofabrik verdankte, stand die erste städtische Badeanstalt mit einem markanten Schornstein. Über diese beklagten sich lange die Hoteliers, die meinten, eintreffende Gäste würden eher an eine Fabrik als an ein Bad denken. Aber was mit dem Platz zwischen der Hochstraße auf dem Breitenweg und den Bauten des Hauptbahnhofs geschehen sollte, war viele Jahre nicht klar. Im Jahr 2019 eröffnete dann das sogenannte City Gate des Schweizer Architekten Max Dudler.

Die drei Fontänen hatten große Probleme mit Müll, der die Pumpen verstopfte. Hin und wieder sprühten sie aber. Und sorgten durch ihre geometrische Beton-Optik für eine Verbindung zur Hochstraße und den Hochhäusern in Richtung Wallanlagen.
Foto: Klaus Sander

Von Anbiet bis Zuckerklatsche

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