Tatort-Schauspielerin kellnerte als junge Frau in der Kneipe ihres Vaters im Bahnhofsviertel / Früher eine Vergnügungs- und Kneipenmeile

Am 30. Januar 2016 stand die Schauspielerin Mechthild Großmann als Nordwestradio-Wintergast der Moderatorin Katrin Kramer Rede und Antwort. Die Sendung wurde in der sogenannten Wohnküche von Radio Bremen von 11 bis 12 Uhr aufgezeichnet und am gleichen Tage um 13 Uhr gesendet. Die Moderatorin hatte sich gut auf das Interview vorbereitet. Auch der Bremen History-Autor Peter Strotmann war an der Recherche zur Sendung beteiligt.

Mechthild Großmann wurde 1948 in Münster geboren. Doch da ahnte noch keiner, dass sie einmal eine Schauspielkarriere hinlegen sollte. Seit 2002 ist sie jetzt bundesweit bekannt als kettenrauchende Staatsanwältin Wilhelmine Klemm im Tatort Münster.

Nach drei Brüdern war sie das vierte Kind von Curt Großmann und seiner Frau. Als Kaufmann sah Vater Curt bessere Berufschancen in Bremen. Also zog die ganze Familie 1957 um und bekam eine Wohnung in der Neustadt, Donaustraße 49. Zuerst bekam er eine Anstellung als Geschäftsführer. Aber schon vor 1960 pachtete er eine Gaststätte. Und zwar an der Weide 24 im Bahnhofsviertel. Diese Straße war seinerzeit sehr belebt und eine der wichtigen Straßen Bremens. Es gab dort eine Anzahl Gaststätten, wie den „ Löschteich“,  das „Weideneck“, Hotels. Vor dem Zweiten Weltkrieg war da noch einiges mehr los, z.B. die Vergnügungsstätte Tivoli.

Möbelpacker und Nachtschwärmer – oder Postarbeiter und Prostituierte?

In vorhergehenden Interviews erzählte sie, in dem Lokal hätten Möbelpacker und Nachtschwärmer verkehrt, nun ja, es könnten auch Prostituierte gewesen sein. Ein Zeitzeuge, der sich als Nachtschwärmer in dem Lokal für einem Absacker verirrte, berichtete, dass Mann dringend auf eine gewisse Pamela warte.

Die habe er aber nicht kommen sehen. Und die Möbelpacker waren wohl eher die Postarbeiter vom Postamt 5 gegenüber. Denn dort war der Umschlagplatz für alle Paket- und Briefsendungen, die mit der Bahn transportiert wurden. Und  werden die Postarbeiter mal eben rüber gegangen und sich ein Bier gezischt haben.

Im Interview sagte Mechthild Großmann jetzt, in der Straße und in dem Lokal war eben Bahnhofspublikum. Am Bahnhof waren die obdachlosen Männer im Keller [sie meint den unterirdischen Bahnhofsbunker, der seit einigen Jahren geschlossen ist]. Ja, Nutten hätte es auch gegeben. Die standen aber nicht vor der Gaststätte, sondern ein bisschen weiter weg. Das sei eben eine ganz andere Zeit gewesen.

Curt Großmann gab seine Kneipe in den späten 1960er Jahren auf 

Ab 1966 wohnt die Familie in der Löningstraße, also gleich um die Ecke. Vermutlich Ende 1968 gibt Curt

Schon nicht mehr die Großmann-Kneipe: Der Nachfolger schaltete im Februar 1969 diese Anzeige im Weser-Kurier.
Quelle: Archiv des Weser-Kuriers

Großmann als Kneipier auf. Ein neuer Wirt eröffnet dort am 11. Februar 1969 die  Gaststätte „Kleiner Felsenkeller“. Leider scheint es weder von der Gaststätte Großmann noch vom Felsenkeller Fotos zu geben. Der kleine Felsenkeller mag bis 2000 existiert haben. Anschließend war dort die Gaststätte „Leinen los“ mit der Haifischbar. Heute ist dort ein Tattoostudio.

Zurück zu Mechthild Großmann. Als Kind durfte sie nicht in die Kneipe des Vaters. Mit 16-17 Jahren durfte sie die Gäste gelegentlich in Vaters Kellerlokal bedienen. Dort war es verraucht, geheimnisvoll und aus der Musikbox kam Peter Kraus und Conny Froboess „Die Liebe ist ein seltsames Spiel …“

Ihr Abitur machte sie in Münster. Ab 1968 ist sie bereits auf einer Schauspielschule in Hamburg. Ihre Karriere führte sie 1969 bis 1973 wieder nach Bremen zurück, als sie unter dem Intendanten Kurt Hübner am Theater am Goetheplatz spielt.

Link zum Mitschnitt der Veranstaltung mit Mechthild Großmann [46:33]

Link zum Nachbericht Wintergäste: Mechthild Großmann [3:39]

Portrait Mechthild Großmann [3:35]

von Peter Strotmann

Cover_Pizarro

Würdigung einer Legende

Pizarro

Claudio Pizarro hat Werder Bremen geprägt wie kein zweiter Fußballer: er hat die meisten Tore geschossen, er hat sie vor allem verteilt in vier Jahrzehnten geschossen. An Superlativen mangelt es bei ihm nicht. Doch nun ist endgültig Schluss, der Peruaner beendet im Alter von 41 seine aktive Karriere. Grund genug, zurückzublicken auf eine einmalige Zeit, auf Höhepunkte, auf sein Leben, seine Herkunft und die besonderen Pizarro-Momente.

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