Seine Majestät ist hoch erfreut: der Antwortbrief im Auftrag Wilhelm II.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

Kriegnagelungen in Bremen und umzu: Der Bremer Wappen-Tisch von 1917 (Bremen-Mitte) 

Die Bremer Familie Gevekoht stiftete 1915 den „Bremer Wappen-Tisch“, auch Telephontisch genannt, der im Ratskeller aufgestellt wurde. Die Erstnagelung war am 10. Juli 1917 (siehe auch den Hauptartikel).

Er trug den Spruch: Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, wenn man ihn zu pflegen weiss. Und die Aufschrift: Bremer-Wappen-Tisch im Ratskeller zu Bremen.

Die Nagelung des Wappentisches, der nach einem Entwurf von Otto Bollhagen gefertigt wurde, brachte in den Jahren 1917 bis 1918 die hohe Summe von über 200.000 Mark. Eine große Anzahl deutscher Fürsten, der Kaiser und die kaiserlichen Prinzen, Admiräle und Generäle gehörten zu den Spendern von goldenen Nägeln.

Vor ziemlich genau 100 Jahren, am 28. Februar 1917, richtete der Bremer Kaufmann Heinrich Gevekoht einen Bitt-Brief an Kaiser Wilhelm II., um ihn für den Bremer-Wappen-Tisch zu erwärmen. Hier der Brief im Wortlaut:

Allerdurchlauchtester, Großmächtigster Kaiser und König,

Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

 Die Tischrunde am Fernsprecher im Bremer Ratskeller beabsichtigt, die von Herrn Kunstmaler Otto Bollhagen, hierselbst, bereitgestellte Kriegsplatte, das Bremer Staatswappen darstellend, mit Genehmigung eines hohen Senats zu nageln.

Die Kriegsplatte ist aus beiliegender Skizze zu ersehen.

Der erzielte Reinertrag soll zum Besten der Angehörigen des Infanterie-Regiments „Bremen“ (1. Hanseatischen) Nr. 75 verwendet werden und bitte ich im Auftrage der Ausschusses um Genehmigung für Eure Kaiserliche und Königliche Majestät alleruntertänigst einen goldenen Nagel mit dem Namen Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät einschlagen zu dürfen.

Ich darf alleruntertänigst bemerken, dass irgend welche Kosten hierdurch nicht entstehen.

In tiefster Ehrfurcht verharret Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät

Alleruntertänigst gez. Gevekoht

Martialisch: Weihnachtspostkarte von der Front nach Bremen (1914) mit
Kaiser Wilhelm II. im Medaillon.
Quelle: Peter Strotmann

Und hier die Antwort des Kaisers:

Der Chef des Militär-Kabinetts.

Seine Majestät der Kaiser und König haben auf die Throneingabe vom 28.Februar d. Js. zu genehmigen geruht, daß bei der Tischrunde am Fernsprecher im Bremer Ratskeller beabsichtigten Nagelung einer das Staatswappen darstellenden Kriegsplatte ein goldener Nagel mit dem Allerhöchstihrem Namen eingeschlagen wird.

Seine Majestät haben Sich über durch die Tischrunde in Bestätigung ihrer vaterländischen Gesinnung beabsichtigte Fürsorge für die Angehörigen des Infanterie-Regiments Bremen gefreut und als Allerhöchstihren Beitrag zur Förderung des guten Zweckes beifolgende 50 M bestimmt.

Auf Allerhöchsten Befehl J.H. Hoffmanns 

Als der Ratskeller-Wappen-Tisch vom ersten Vorsitzenden des Bremer Bezirksvereins des Verbandes mittlerer Reichs-Post und Telegraphenbeamten genagelt wurde, führte dieser u.a. aus: „Zur Ehre unserer bremischen Krieger wurde dieser Tisch gestiftet: Er soll die kommenden Geschlechter erinnern und ermahnen an diese große Zeit.“

von Peter Strotmann

Von der Familie Gevekoht gestiftet, vom Kunstmaler Otto Bollhagen gestaltet: der Bremer Wappentisch von 1917.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

Mein Bremen 1945-1967
– Teil 2

Aufbau, Aufbruch
und starke Frauen

Der 5. Band unserer Magazinreihe „Mein Bremen“ zeigt den Aufbruch und Stolz der bremischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 bis 1967. Der 2. Band dieses Zeitraums lebt erneut von Fotos aus den Privatbeständen der Leserinnen und Leser des WESER-KURIER, die Einblicke in die spannende Zeit des Wiederaufbaus geben. Eine wichtiges Thema ist die Rolle der Frau, die sich besonders verändert hat, was schon die selbstbewusste junge Frau auf dem Titelblatt symbolisiert.

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