Die drei verschiedenen Standorte der Badeanstalt „Eberlein“ in Hastedt schematisch eingezeichnet auf einen Stadtplan von 2017.
Quelle: OpenStreetMap/Peter Strotmann

Bade-Lexikon: In Hastedt wird gebadet wie wild, bis Eberlein kommt

Auch in Hastedt wurde, wie in den anderen Badestellen auch, zunehmend „wild“ in der Weser gebadet und leider ertranken immer mehr Menschen. Mit einen Beschluss der Bürgerschaft vom 21. April 1886 wurde die Bitte an den Bremer Senat herangetragen, dieser möge die besonders beliebte Badestelle herrichten und eine Aufsicht bereitstellen. Die Hastedter gründeten einen Verein, pachteten von der Hastedter Bauernschaft ein Grundstück an der Weser mit einer Größe von 3000 Quadratmetern und bauten die Badestelle mit staatlicher Hilfe aus. Damit gelang es, das Bad schon am 6. Juni 1887 zu eröffnen. Schon von Beginn an beaufsichtigte Bernhard Eberlein (1851 bis 1920) das Hastedter Bad.

Die Badeanstalt lag in Verlängerung der Malerstraße und damit etwas unterhalb des 1911 gebauten Weserwehrs. Generell war der Eintritt frei, für Umkleidekabinen oder Kleiderabgabe wurden geringe Gebühren erhoben. Aber der Verein war finanziell überfordert. Deshalb übernahm der Bremer Staat im Jahre 1902 die Badeanstalt. Auf dem Grundstück konnten 160 Personen zur gleichen Zeit baden.

Weserwehr, Ansichtskarte 1926:
Deutlich ist die vom Weserwehr ausgehende Strömung zu sehen. Zwischen den weit in die Weser hineinragenden Schlengen ist der Sandstrand der Hastedter Badeanstalt zu erkennen. Es ist die Situation nach der ersten Verlegung von 1908 sowie nach dem Bau des Weserwehrs von 1911, aber vor der zweiten Verlegung der Badeanstalt im Jahre 1927.
Quelle: Sammlung Eßmann

Die Zahl der jährlichen Besucher schwankte zwischen 15 und 40.000, wobei nur ein Drittel weibliche Personen waren. Das lag mit daran, dass seit 1890 Frauen und Mädchen nur an bestimmten Stunden baden durften. 1895 bekam das weibliche Geschlecht eine eigene Badestelle. Die Badeanstalt war lange Jahre das Lieblingsbad von Schülerinnen, denn der energische Bernhard Eberlein achtete streng auf die Badeordnung. Seit 1891 war der Hastedter Schwimmverein mit auf dem Gelände und erteilte Schwimmunterricht.

Zweimal wird das Hastedter Bad verlegt und Eberlein kommt mit

Im Zuge der Vorbereitungsarbeiten zum Bau des Weserwehrs wurde die Badeanstalt in die Nähe des Jacobsbergs verlegt. Das war die erste Verlegung.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb die Flussbadeanstalt äußerst beliebt. Während andere Badeanstalten schon Familienbäder geworden waren, wurde bei Eberlein streng nach „Weiblein und Männlein“ getrennt gebadet. Das war die Anordnung der Polizeidirektion, die auf Anstand und Sitte achtete.

Wie auf der Ansichtskarte von 1926 zu sehen ist, gingen vom Weserwehr starke Strömungen aus, die laufend das Flussbett und den Strandboden veränderten. Deshalb wurde die Badeanstalt 1927 unterhalb des Jacobsberges verlegt. Als die Badeanstalt 1928 wieder öffnete, badeten Männer und Frauen weiterhin getrennt, und zwar in separaten Badeanlagen von je 90 Meter Breite. Auch ein großes Badeanstalts-Gebäude mit einem Türmchen wurde errichtet sowie ein Steg in die Weser hinein gebaut.

Ertrunken: Johann Eberlein.
Quelle: Peter Strotmann, 2017

Die Dynastie Eberlein geht auf tragische Weise zu Ende

1920 segnete Bernhard Eberlein im Alter von 69 Jahren das Zeitliche. Sein 1882 geborener Sohn Johann war längst mit dabei, denn er hatte auch das „Bademeister-Gen“. Doch am 2. November 1930 kam es zu einem tragischen Unfall. Beim Angeln in der Weser geriet er in einen Strudel ertrank (andere Quellen geben an, er habe einen Ertrinkenden retten wollen). Seine Leiche wurde erst am 11. Januar 1932 in Höhe der Industriehafenschleuse gefunden. Er wurde nur 48 Jahre alt. Nach seinem Tode wurde die Badestelle in Badeanstalt „Eberlein“ umbenannt.

1959 ist endgültig Ende

Die Badeanstalt „Eberlein“ war eingebettet in ein parkähnlich gestaltetes Weseruferband, das in Anspielung auf einen italienischen Strand Lido genannt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg trafen Bomben die Badeanstalt, sodass Baden nicht mehr möglich war. Auch die vorläufige Instandsetzung im Jahre 1948 konnte nicht verhindern, dass das Baden wegen großer Schäden im Badebereich 1954 verboten werden musste. Die Vermietung des Geländes und der Gebäude an einen Motorbootverein stieß auf wenig Gegenliebe in der Bevölkerung. 1959 wurde alle Reste der ehemaligen Badeanstalt „Eberlein“ abgerissen und das Gelände zum Park umgestaltet.

Der Gedenkstein für Johann Eberlein auf dem Jacobsberg wurde am 27. August 1988 feierlich enthüllt.
Foto: Peter Strotmann, 2017

1988 wird ein Gedenkstein für Johann Eberlein aufgestellt

Auch nach seinem tragischen Tod lebte Johann Eberlein in den Herzen der Hastedter weiter. Schon vor vielen Jahren wurde ein Weg am Jacobsberg „Eberleinweg“ benannt. Es war der Heimatforscher Wilhelm Ratjen, der die Initiative ergriff und Geld für einen Gedenkstein gesammelt hatte. Am 27. August 1988 wurde das Denkmal feierlich enthüllt.

In der Geschichte eines unbekannten Autors wurde nochmals an das Wirken dieses legendären Bademeisters erinnert. Er soll nämlich insgesamt 73 Menschen das Leben gerettet haben. Johann Eberlein wohnte im Türmchen an seiner Badeanstalt. Von dort aus konnte er das ganze Jahr über die Weser beobachten. Auch im Winter war er sofort zur Stelle, wenn die Kinder sich zu weit aufs Eis wagten oder hilflos auf einer Eisscholle trieben.

von Peter Strotmann

„Flußbadeanstalt Hastedt – Bremen“:
Gesamtansicht auf einer Ansichtskarte um 1930.
Quelle: Archiv Schulmuseum, Bremen

Mein Bremen 1945-1967
– Teil 2

Aufbau, Aufbruch
und starke Frauen

Der 5. Band unserer Magazinreihe „Mein Bremen“ zeigt den Aufbruch und Stolz der bremischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 bis 1967. Der 2. Band dieses Zeitraums lebt erneut von Fotos aus den Privatbeständen der Leserinnen und Leser des WESER-KURIER, die Einblicke in die spannende Zeit des Wiederaufbaus geben. Eine wichtiges Thema ist die Rolle der Frau, die sich besonders verändert hat, was schon die selbstbewusste junge Frau auf dem Titelblatt symbolisiert.

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