Ein Blick in die Geschichte (96): Norddeutscher Lloyd ließ neue Zentrale von 1901 bis 1910 errichten / Gebäude für neuen Horten-Bau 1969 abgerissen

Kaum einem anderen historistischen Bauwerk in Bremen wird bis heute so sehr nachgetrauert wie dem früheren Lloydgebäude. Den Zweiten Weltkrieg hatte der monumentale Prachtbau noch überstanden – schwer beschädigt zwar, aber nicht so sehr, dass ein Abriss erforderlich gewesen wäre. Nur der hochaufragende Turm musste 1953 dran glauben. Das Aus für das Lloydgebäude kam 1969, als die Warenhauskette Horten an seiner Stelle einen nüchternen Neubau errichten ließ.

Ein trauriges Ende für ein Gebäude, das einst als „der mächtigste und imposanteste neuzeitliche Profanbau Bremens“ gepriesen wurde. Als neuer Verwaltungssitz des Norddeutschen Lloyd war das Lloydgebäude von 1901 bis 1910 in insgesamt sieben Bauabschnitten in einem trapezförmigen Areal zwischen Pelzerstraße, Papenstraße und Großer Hundestraße errichtet worden. Mithin genau dort, wo sich schon zuvor der Sitz der Reederei befunden hatte.

Bis 1896 reichen die Planungen für einen Neubau zurück, ab 1899 begann der systematische Grundstücksaufkauf rund um die alte Konzernzentrale. Als Architekt kam nur einer in Frage: Johann Georg Poppe, der schon mehrere repräsentative Monumentalbauten in Bremen entworfen hatte, unter anderem die Baumwollbörse und die Stadtbibliothek am Breitenweg. Der opulenten Außengestaltung im Stil der Neorenaissance entsprach die verschwenderische Innenausstattung.

Für den Norddeutschen Lloyd war das Beste gerade gut genug, die Macher selbst sprachen von einem „palastartigen Riesenbau“. Freilich stellte sich auch schon damals ein Phänomen ein, das nur allzu vertraut klingt: Die Kosten für das Bauwerk liefen aus dem Ruder, darüber kam es zum Streit zwischen Lloyd-Direktor Heinrich Wiegand und Architekt Poppe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Behördenunterkunft, im Keller befanden sich „Remmers Bierstuben“. Ganz und gar von der Bildfläche verschwunden ist das Lloydgebäude aber immerhin nicht. Fünf Reliefplatten und eine schmiedeeiserne Tür haben sich bis heute erhalten: Die Platten sind als Blickfang im Sander-Center in Oslebshausen zu bewundern, die Tür hat eine neue Heimat im Schnoor gefunden.

von Frank Hethey

Ein ambitioniertes Bauwerk: das Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd.
Quelle: Bundesarchiv, Bild 102-13086 / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 102-13086, Bremen, Norddeutscher Lloyd, Verwaltung, CC BY-SA 3.0 DE

 

 

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