Vor 50 Jahren

Gestern hatte das Bremer Wetteramt leichte Schneefälle angesagt. Für das Amt für Stadtentwässerung und Stadtreinigung war das kein Grund zu hektischer Betriebsamkeit. Gleichwohl standen die neun großen Schneepflüge der Dienststelle bereit, um bei Bedarf nach Sprechfunkanweisung in besonderen Gefahrenbereichen dem Verkehr einen Weg zu bahnen. Mit den Vorräten, die vom vergangenen Winter übriggeblieben sind, lagerten in den Bunkern der fünf Stadtreinigungsbezirke etwa 6000 Tonnen Streusalz und 300 bis 400 Kubikmeter Sand. Genug, um ganze Eiszeiten unschädlich zu machen. Doch diesmal sind die Streukolonnen streng vergattert worden, das Salz nur mit größter Zurückhaltung anzuwenden. (WESER-KURIER, 30. Dezember 1971)

 

Hintergrund

Ein gehäufter Suppenlöffel Salz reiche aus, empfahlen die Experten zum Jahreswechsel 1971/1972. Dabei ging es nicht um das Salz in der Suppe, sondern um das auf den vereisten Straßen und Gehwegen. Etwa 30 Gramm, wohlgemerkt pro Quadratmeter, gestand man den Anwohnern zu. Weil die aber ihre Suppenlöffel nach dem Motto „Viel hilft viel“ angeblich überstrapazierten, geriet man in Sorge um das Straßengrün. Dass große Salzmengen den Bäumen nicht gut bekommen, war bereits aus den Vorjahren bekannt. Auf dem Ansgarikirchhof waren im Winter 1968/1969 die Platanen abgestorben. 27.000 Mark hatte das Gartenbauamt daraufhin bekommen, um für Ersatz zu sorgen.

Der WESER-KURIER berichtete im März 1970: „Für jede Neuanpflanzung müssen die Gärtner den versalzten Boden in einem Umfang von einem bis zwei Kubikmetern ausheben und frisches, bakterienreiches Erdreich einfüllen, damit der junge Baum überhaupt Fuß fassen kann.“ Möglichst nicht wieder, so die Devise der Stadt. Die Männer der Stadtreinigung durften also fortan auf den Gehwegen nur noch zum schnöden Sand greifen. Für die Straßen wurde Salz in Maßen statt in Massen angeordnet.

Der zuständige Betriebsamtsmann Hüneke sagte dazu: „Wir wollen versuchen, die Forderungen der Verkehrssicherheit und des Umweltschutzes in Einklang zu bringen.“ So richtig begeistert klang das nicht, was auch daran liegen mochte, dass er ohnehin die privaten Anlieger als hauptschuldig für die Streusalzschäden ausgemacht hatte: „Privatleute sollten tunlichst sparsamer mit dem Tausalz umgehen.“

Ähnliche Appelle von Experten an die salzstreuenden Laien finden sich auch in den Folgejahren wieder, fast immer pünktlich zum ersten Schneefall. Gefruchtet haben sie dann auch irgendwann: Vermutlich ganz im Sinne Hünekes ist das Salzstreuen heute fast ausschließlich den Profis vorbehalten.

Der Winterdienst bereitete sich Ende Dezember 1971 auf die ersten Einsätze vor. Den dringenden Appell, weniger Salz zu nutzen, gaben die Experten an die Anwohner weiter. 
Quelle: Archiv

Von Anbiet bis Zuckerklatsche

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