Unter einer dicken Algenschicht kam eine völlig unversehrte Schrift zum Vorschein: Peter Strotmann am 6. März 2015 bei der Reinigung der Grabplatte.

Putzaktion im Nelson-Mandela-Park: Inschrift auf alter Dänen-Grabplatte wiederentdeckt

Schon lange hatte es mich in den Fingern gejuckt, mal wieder einen Schatz zu heben. Mit einem Rucksack voller Putzutensilien machte ich mich am letzten Wochenende zu einer alten Grabplatte in den 2014 so benannten Nelson-Mandela-Park auf.  Dieser liegt am Rande der Bürgerweide im Stadtteil Schwachhausen.

Das ist das Gelände des 1812 angelegten Herdentorsfriedhofs. Die Franzosen hatten nämlich eine Belegung der kirchlichen Friedhöfe in der Altstadt untersagt. 1875 mit dem Bau des Riensberger Friedhofs wurde der Herdentorsfriedhof geschlossen und 1905 in einen Park umgestaltet. Es fanden zahlreiche Umbettungen statt und die Grabsteine und -platten wurden fast alle entfernt.

Als Einzige ist diese Grabplatte auf dem ehemaligen Herdentorsfriedhof verblieben. Außer der reichen Kopfzier war die Inschrift nicht mehr zu erkennen. Es war schon vermutet worden, dass die Schrift verwittert sei. Aber je mehr ich auf dem mit einer dicken Algenschicht bedeckten Sandstein herumschruppte, desto mehr Details wurden sichtbar. Und man mag es glauben oder nicht: Der Grabstein ist fast zweihundert Jahre alt und vollkommen unversehrt.

Die Inschrift lautet wie folgt:

DEM  BIEDEREN  DÆNISCHEN
OBERSTLIEUTENANT  JÖRGEN  VON  BRUUN

VOM  2. JÜTLÄNDISCHEN  INFANT.  REGT.

UND

CAPITAIN C.G.G.  SALHOLT  VON  WEGENER

VOM SCHLESWIGSCHEN  JÆGER  CORPS  RITTER  VOM  DANNEBROG

WELCHE   BEIDE

GOTTERGEBEN  UND  IHREM  KÖNIGE  UND  VATERLAND  TREU

LETZTERER  IM FRÜHJAHR  MDCCCXIV

UND

Ein echtes Schmuckstück: die jetzt wieder lesbare Grabinschrift aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Foto: Peter Strotmann

ERSTERER  IM  HERBST  MDCCCXV

HIER  IN  BREMEN  VERSTARBEN

SETZTEN  DIESES  GRABMAL  IHRE  UM  SIE  TRAUERNDEN

FREUNDEN  UND  WAFFENGEFÆHRTEN

Her slumre tvende Landsmænd Dannermand

Dem Skæbnen, mörk i sine Veie,

her, langt fra dyrebare Fædreland,

henkastede paa Dödens Leie.

Her, fjernt fra Danmark, fandt de Hjem,

og Brödre  satte Brödre Sorgens Minde.

O lad de Hedenfarne vinde

Den Taare, Landsmand som du skylder dem!

No. 1131

Die Grabplatte No. 1131

Nach Angaben dieser Grabplatte und meiner ersten Recherche wurden in einem gemeinsamen Grab (No. 1131) zwei dänische Offiziere bestattet. Es handelt sich um den Capitain Christian Gregorius Godenius Salholt von Wegener vom Schleswigschen Jägercorps und um den Oberstlieutenant Jörgen von Bruun vom 2. Jütländischen Infanterie-Regiment. Der erste starb am 20. Juni 1814, der zweite am 8. September 1815.

Eine Bekannte übersetzte den dänischen Text der Grabplatte ins Deutsche. Natürlich ist die Sprache zeitentsprechend abgehoben, aber verständlich.

Hier ruhen zwei Landsleute, Däne!

Die das Schicksal, dunkel in seinen Wegen,

hier, weit vom teuren Vaterland,

hinwarf auf des Todes Lager.

Hier, fern von Dänemark, fanden sie ein Heim,

und Brüder setzten Brüdern der Trauer Denkmal.

O lass’ die Hingeschiedenen gewinnen

die Träne, Landsmann, die du ihnen schuldest!

Doch es bleiben Fragen:

Wer waren diese beiden Offiziere? Wann und wie wurden sie nach Bremen verschlagen? Wer hat die Grabplatte gestiftet?

Darauf gibt es zur Zeit noch keine Antworten.

Aber die Fühler zu den Archiven in Bremen und Dänemark sind ausgestreckt. Sobald ein Ergebnis vorliegt heißt es: Fortsetzung folgt bei Bremen History.

von Peter Strotmann

Auf dem Areal des Nelson-Mandela-Parks befand sich früher der Herdentorsfriedhof. Die Dänen-Grabplatte ist das letzte sichtbare Überbleibsel des einstigen Gottesackers. Hinten links ist das Hermann-Böse-Gymnasium zu sehen, rechts das Anti-Kolonial-Denkmal „Der Elefant“.
Foto: Peter Strotmann

Mein Bremen

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