Vor 50 Jahren

Die Eisläufer werden langsam ungeduldig. Bisher hat der Dezember noch nicht den erwarteten Frost gebracht, der ihnen erlaubt hätte, die Schlittschuhe unter die Füße zu schnallen und im Niederblockland oder an anderen bevorzugten Stellen ihrem bevorzugten Wintersport nachzugehen. Sie werden sich auch weiter noch gedulden müssen, denn nach Auskunft der Meteorologen beim Bremer Wetterdienst ist in den kommenden Tagen mit Frost noch nicht zu rechnen. (WESER-KURIER, 5./6. Dezember 1970)

Hintergrund

Dass der Bremer Eisverein bereits im Dezember auf Frost wartete, ist wirklich schon einige Jahre her. „Die Eislaufmöglichkeiten kommen in der Regel später, und auch die langen Perioden mit mehrtägigen Eislaufmöglichkeiten sind kürzer geworden“, berichtet Vorsitzender Max Stegemann, der nach eigenen Angaben „seit Geburt“ des Eisvereins 1954 Mitglied ist.

Bis in die 1960er-Jahre wurden die Blocklander Wümmewiesen entlang der Semkenfahrt regelmäßig im Winter geflutet. Die überfluteten Flächen existierten heute so nicht mehr, weil Wasserströme inzwischen anders reguliert würden und es neue Konzepte der Abwasserklärung gebe. Inzwischen sorgt der Eisverein selbst für eine Überflutung, indem er Wasser aus der Wümme auf eine Wiesenfläche im Blockland pumpt –  wenn es denn kalt genug ist.

In selbigem Artikel ist bereits die Rede von mehr Eislaufmöglichkeiten und einer 400-Meter-Eishalle, die in der Nähe der Universität gebaut werden soll.

Daraus sei nichts geworden, erinnert sich Stegemann. Die Kosten für den Bau der Eishalle wurden nicht genehmigt. Was den Eisverein dagegen noch mehr enttäuscht habe: Der Abriss der Eislaufhalle an der Bürgerweide 1996, die gerade einmal 13 Jahre dort stand. „Dafür war dann Geld da“, sagt Stegemann, der Frust schwingt noch immer in seinen Worten mit.

1997 folgte dann jedoch der Bau der Eissporthalle Paradice in der Waller Heerstraße, die heute vom Eisverein mitgenutzt wird. Sie war gewissermaßen Nachfolger für das Eisstadion am Hastedter Osterdeich, das wegen seiner veralteten Kühl-Anlagen mit zu hohem Energieverbrauch geschlossen werden musste.

Für Anfang 2021 hofft der Bremer Eisverein, die Semkenfahrt wieder für einzelne Tage öffnen zu können. In diesem Jahr habe es nur ganz kurze Zeit Eis gegeben, weshalb die Tore zubleiben mussten.

Das Schlittschuhlaufen im Bremer Blockland auf den überschwemmten Wiesen gehört schon lange zu den winterlichen Ritualen vieler Bremer.
Foto: Rainer Jysch/Brinkum

Mein Bremen 1945-1967
– Teil 2

Aufbau, Aufbruch
und starke Frauen

Der 5. Band unserer Magazinreihe „Mein Bremen“ zeigt den Aufbruch und Stolz der bremischen Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 bis 1967. Der 2. Band dieses Zeitraums lebt erneut von Fotos aus den Privatbeständen der Leserinnen und Leser des WESER-KURIER, die Einblicke in die spannende Zeit des Wiederaufbaus geben. Eine wichtiges Thema ist die Rolle der Frau, die sich besonders verändert hat, was schon die selbstbewusste junge Frau auf dem Titelblatt symbolisiert.

Jetzt bestellen