Vor 50 Jahren

Vier Wochen vor Jahresende hat die Bremer Arbeiterwohlfahrt das Ziel erreicht, das sie sich im Jubiläumsjahr gesetzt hatte: aus Anlass des 50-jährigen Bestehens 500 neue Mitglieder aufzunehmen. Die „Neuen“ kommen aus allen Altersgruppen. Das große Interesse junger Menschen wertet der Verband dabei als besonders erfreulich. Außerdem wurden 160 Jugendliche im Alter von 12 bis 18 Jahren Mitglied im Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt, das am 1. April dieses Jahres gegründet wurde. (WESER-KURIER, 5./6. Dezember 1970)

Hintergrund

Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bremen nahm im April 1920, und damit kurze Zeit nach Gründung des Bundesverbandes durch die Frauenrechtlerin Marie Juchacz, ihre Arbeit auf. In diesem Jahr feierte der Bremer Wohlfahrtsverband somit sein 100-jähriges Bestehen. Ob er heute beim Werben um Neumitglieder ebenfalls noch solch hohe Ambitionen wie vor 50 Jahren hat?

„Wir hätten uns einen Anstieg der Mitgliederzahlen zum 100-jährigen Bestehen gewünscht. Daraus ist jedoch – vermutlich auch aufgrund der Pandemie – nichts geworden“, sagt Sprecherin Anke Wiebersiek. Seit ihrer Gründung habe die Awo Bremen zwischenzeitlich mehr als 5000 Mitglieder gehabt. Doch die Struktur folge dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend, nach dem die Mitgliederzahlen in Organisationen, Vereinen oder Parteien abnehmen. „In den letzten Jahren konnte die Awo Bremen jedoch erstmals wieder einen Zuwachs verzeichnen“, sagt Wiebersiek. Aktuell engagieren sich ihren Angaben zufolge etwa 4800 Menschen im Bremer Verband.

Treibende Kraft bei der Gründung der Awo in der Hansestadt war die Sozialdemokratin Hanna Harder, die als eine von 18 Frauen als erste weibliche Abgeordnete in die Bremer Nationalversammlung gewählt wurde. Sowohl Harder als auch Gründerin Juchacz setzten sich für die Ärmsten ein: Sie organisierten Volksküchen, Nähstuben, Nothilfen sowie Freizeit- und Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Auch Frauenrechte spielten eine große Rolle.

1933 verboten die Nationalsozialisten die Awo und verfolgten ihre Mitglieder. Unmittelbar nach dem Kriegsende 1945 nahm der Verband seine Arbeit dann wieder auf. Heute gibt es in Bremen zwölf Ortsvereine. Die Awo ist Trägerin von 90 Einrichtungen und Diensten wie Kindertagesstätten, Asylunterkünften oder Pflegediensten.

1968 schickte die Bremer Arbeiterwohlfahrt 150 Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren auf eine Erholungsreise. Zwei Jahre später wurde das Jugendwerk gegründet, das von nun an solche Fahrten veranstaltet.
Foto: Jochen Stoss

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