Teil 2: 1949 entstand am früheren Hillmann-Standort in Rekordzeit das Café Hillmann / Das Provisorium wurde erst 1971 abgerissen

Wo früher Hillmanns Hotel stand, wurde 1949 in rekordverdächtiger Bauzeit ein Provisorium aus dem Boden gestampft: das Café Hillmann, ein eingeschossiges Bauwerk samt Ladenpassage. Eigentlich sollte nach zehn Jahren Schluss damit sein, doch weil sich kein geeigneter Investor fand, lief der Betrieb einfach weiter. Erst 1971 wurde der Komplex abgerissen. Für das Grundstück gab es zahlreiche Pläne, zwischenzeitlich wurde sogar der Bau eines 16-stöckigen Hochhauses erwogen.

Flach, aber komplex: der Hillmann-Komplex mit Café und Passage auf einer Luftaufnahme von 1958. Quelle: Peter Strotmann

Flach, aber komplex: der Hillmann-Komplex mit Café und Passage auf einer Luftaufnahme von 1958.
Quelle: Peter Strotmann

Der Bauablauf gestaltete sich so: Am 18. Mai 1949 erfolgte die Grundsteinlegung. Das Richtfest konnte schon nach acht Wochen am 15. Juli 1949 gefeiert werden. Knapp 15 Wochen nach der Grundsteinlegung, am 28. August 1949, wurde die Ladenpassage eröffnet.

Somit betrug die Bauzeit knapp 15 Wochen. Das Tempo hat auch meinen Vater sehr beeindruckt. Er war seinerzeit mitten drin im Geschehen, da er beim Architekten Friedrich Schröder  als Bauleiter tätig war. „Das Ding haben wir in 100 Tagen hochgezogen“, sagte er dann nicht ohne Stolz, wenn man ihn auf das Thema ansprach. Pünktlich zum 1. Oktober 1949 konnte das Café Hillmann eröffnet werden.

Es war eine eingeschossige Anlage, wobei die Geschäfte einen gleich großen Kellerraum für Vorräte bekamen. Bis zu 310 Arbeitskräfte befanden sich zu Spitzenzeiten „auf dem Bau“, davon über 200 von der Baufirma Carl Brandt. 42 bremische und auswärtige Firmen waren an dem Erfolg beteiligt.

Das Café Hillmann hatte Platz für 700 Gäste mit einer zentral gelegenen Orchesterbühne. Bei Tanzveranstaltungen wurde ein Schild aufgestellt auf den stand: „Das Tanzen von Damen als Paar ist nicht erwünscht.“ Der Dachgarten fasste 400 Besucher und war begrenzt durch die Aufbauten der oberen Etage, in denen sich die Wirtschaftsräume des Cafés befanden.

Das Café Hillmann war nur ein Provisorium

Die Lebensdauer dieses Bauwerks war nur auf zehn Jahre angesetzt. So war es konsequent, dass die Passage und das Café zum 29. November 1959 schlossen und abgerissen werden sollten. Man suchte einen Investor für das Grundstück. Da sich jedoch keiner fand und das Café ein beliebter Treffpunkt war, wurde es am 18. Dezember 1960 wiedereröffnet. 1971 wurde der ganze Komplex abgerissen.

Aus der Ferne grüßt die Dachterrasse: Hillmann Café und Hillmann Passage auf einer Ansichtskarte von 1955. Quelle: Peter Strotmann

Aus der Ferne grüßt die Dachterrasse: Hillmann Café und Hillmann Passage auf einer Ansichtskarte von 1955.
Quelle: Peter Strotmann

Aber es sollte noch fast etwa zehn Jahre dauern, bis der erste Spatenstich für das neu zu erbauende Hotel getan wurde.

Das Grundstück vor dem Herdentor hatte schon allerhand erlebt. Zuerst die Gemüsegärten der Kohlbauern, dann die Reitbahn von Hildenbrock, das vornehme Hillmanns Hotel, die Hillmann Passage mit dem Hillmann Café als Provisorium.

Während die letztgenannte Zwischennutzung erfolgreich war, werden sich viele Gedanken um die nächste Bebauung gemacht haben. Es ist eine Geschichte, die immer wieder in den Zeitungen auftaucht, man ist voller Euphorie, wartet auf den ersten Spatenstich. Doch bis dahin sollen noch um die 30 Jahre vergehen.

Ein 16-stöckiges Hochhaus soll am traditionellen Hotel-Standort gebaut werden

Bei den Besuchern sehr beliebt: die Dachterrasse des Hillmann Cafés, hier auf einer Ansichtskarte von 1953. Quelle: Peter Strotmann

Bei den Besuchern sehr beliebt: die Dachterrasse des Hillmann Cafés, hier auf einer Ansichtskarte von 1953.
Quelle: Peter Strotmann

Es beginnt damit, dass die Firma Siemens an dem ehemaligen Hillmann-Grundstück Interesse zeigt und die Stadt 1956 einen Bebauungsplan aufstellt. 1958 gibt Hertie bekannt, dass es am Herdentor, also „vor der Stadt“, kein Warenhaus errichten will, Hertie sucht einen Standort in der Innenstadt und baut später auf dem Platz der zerstörten St. Ansgarii-Kirche. 1959 ist dann Siemens wieder am Zuge. Man möchte auf dem dem Areal ein zehnstöckiges Verwaltungsgebäude errichten. Das Projekt kommt aus der Planung nicht heraus. Zwischenzeitlich sind die Mietverträge zur zehnjährigen Nutzung der Passage und Café abgelaufen und werden um fünf Jahre verlängert.

Siemens entschließt sich 1961, nicht mehr auf dem Hillmann-Grundstück zu bauen, sondern auf der anderen Seite des Herdentorsteinwegs.

Auch in Farne sehr reizvoll: der Hillmann-Komplex auf einer Ansichtskarte von 1959. Quelle: Peter Strotmann

Auch in Farne sehr reizvoll: der Hillmann-Komplex auf einer Ansichtskarte von 1959.
Quelle: Peter Strotmann

Es wird ein Hochhaus mit 16 Stockwerken, ebenso wie das Tivoli-Hochhaus von 1961. Bei beiden war der Architekt und Bauunternehmer T. Siegfried A. Morschel maßgeblich an Planung und Ausführung beteiligt. Da lag es nahe, bei seinem Vor-Entwurf für das Hillmann-Hotel  auch ein Hochhaus mit 16 Stockwerken bei 63 Metern Höhe der Öffentlichkeit und den Investoren zu präsentieren.

Am 16. September 1961 stellt der Weser-Kurier das Projekt vor und schreibt: „Was sich gegenwärtig am Herdentor abzeichnet – ein modernes, aufgelockertes Stadtviertel mit Hochbauten inmitten von Grünflächen – wird sich in absehbarer Zeit wie ein Gürtel bis zur Mozartbrücke um die Innenstadt legen. Dem Bremer Stadtbild stehen große Veränderungen bevor.“

Wie Nessie tauchte der Hillmann-Neubau immer mal wieder auf

Obwohl das Bauamt seinerzeit jegliche Hochhausplanung unterstützte, stand das Hillmann zu massig und parallel zu den Wallanlagen. In den nachfolgenden Entwürfen war es dann um neunzig Grad gedreht und vom Herdentor weg gesetzt. Aber es gab Proteste gegen eine Hochhausbebauung an dieser exponierten Lage.

Ein 16-stöckiges Hochhaus als das non plus ultra: Plan der Hillmann-Bebauung bis 1963. Quelle: Archiv des Weser-Kuriers

Ein 16-stöckiges Hochhaus als das non plus ultra: Plan der Hillmann-Bebauung bis 1963.
Quelle: Archiv des Weser-Kuriers

Zudem wäre das Gebäude einer geplanten Unterpflaster-Straßenbahn im Wege gewesen.

Ähnlich wie Nessie tauchte auch der Hillmann-Neubau im Laufe der Zeit immer wieder auf. Zuletzt 1969 durch den Architekten Hans Budde, aber ohne das je ein Spatenstich getan wurde. Aber diesmal schien ein Investor da zu sein, der dieses Laden-und Bürocenter finanzieren wollte. Daraufhin riss man das Provisorium, also die Hillmann Passage und das Hillmann-Café, ab.  Es kam, wie es viele schon geunkt hatten: Der Investor sprang ab und das Gelände wurde eine mit einem Bauzaun umgebene Brache. Nachdem es 1973 das engültige Aus für das Verkehrsprojekt Mozarttrasse gegeben hatte, war auch das Hillmann-Projekt höchst umstritten. 1978 gab es in der Politik auch keine Unterstützung mehr für ein derartiges Hochhaus.

Kaum waren die Fundamente gelegt, kam es zum Baustopp

1980 übernahm der Bremer Unternehmer Klaus G. Steffens das Hillmannsche Grundstück und plante den Bau eines Luxushotels. Dazu wurde 1981 ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben.

Ein bekanntes Bild: das Swissôtel heute, gesehen vom Herdentorsteinweg. Foto: Peter Strotmann

Ein bekanntes Bild: das Swissôtel heute, gesehen vom Herdentorsteinweg.
Foto: Peter Strotmann

Den Zuschlag erhielt die Arbeitsgemeinschaft  GMP – von Gerkan, Mark und Partner. Der Entwurf sah einen massiven Block mit einer geschwungenen ziegelverkleideten Fassade zu den Wallanlagen vor. Der erste Spatenstich erfolgte am 4. Dezember 1981. Aber kaum dass man  die Fundamente gelegt hatte, kam es zum Baustopp. Der Investor hatte Finanzierungsprobleme. Monatelang stand die Baustelle still. Nachdem ein weiterer Investor eingestiegen war, konnte im Mai 1984 endlich das Richtfest gefeiert werden.

Die Canadian Pacific Hotel-Gruppe betrieb das Haus Vier-Sterne-plus-Haus (228 Doppelzimmer) von 1985 bis 1990 als „CP Bremen Plaza“. Anschließend war es an „Marriott“ untervermietet und schloss 1995 seine Pforten. Danach stand es leer. Der Grund war, dass man sich nicht auf einen Mietvertrag einigen konnte. Im Juni 2007 übernahm die „Fairmont Raffles Hotels International“ als Muttergesellschafter der CP-Hotels das Haus. Nach Schließung und einem grundlegende Umbau der Ladenpassage in einen großzügigen Eingangsbereich hat das Haus jetzt den Namen „Swissôtel“. Es wurde am 29. Oktober 2008 eröffnet.

Das „Swissôtel“ hat das kleine Dach (Accent circonflexe) über dem „O“. Das setzt die vornehme Tradition fort, das einstmals  mit dem kleinen Dach über dem „O“ (Accent circonflexe) von „Hillmans Hôtel“ begründet wurde.

von Peter Strotmann

Teil 1: Die Vorgeschichte – Hillmanns Hotel

Kaum wiederzuerkennen: Wo heute ein riesiger Klinkerbau steht, befand sich von 1949 bis 1971 das Café Hillmann - an sich ein Provisorium, das eigentlich schon nach zehn Jahren hätte abgerissen werden sollen. Hier zu sehen auf einem Foto von 1956. Quelle: Staatsarchiv Bremen

Kaum wiederzuerkennen: Wo heute ein riesiger Klinkerbau steht, befand sich von 1949 bis 1971 das Café Hillmann – an sich ein Provisorium, das eigentlich schon nach zehn Jahren hätte abgerissen werden sollen. Hier zu sehen auf einem Foto von 1956.
Quelle: Staatsarchiv Bremen

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75 Jahre WESER-KURIER

Pressefotografie und Pressefreiheit

. . . sind auch 75 Jahre Pressefotografie und Pressefreiheit in Bremen nach dem Zweiten Welt­krieg. Was waren die Menschen froh, als es am 19. Sep­tember 1945 wieder eine freie Presse gab, die unzensiert über die Ereignisse in der Stadt berichten durfte. Wir haben 75 Fotos aus acht Jahrzehnten ausgesucht, die in dem Sonderheft der Reihe WK|Geschichte zu sehen sind. Dazu ein Interview mit dem langjährigen WK-Fotografen Jochen Stoss und ein Gastbeitrag des Hochschulprofessors Rolf Nobel, dem Gründer des wohl renommiertesten Studiengangs für Fotojournalismus in Hannover.

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