Ein Blick in die Geschichte (103): Foto aus den 1960er Jahren zeigt vernachlässigte Ecke Blumenstraße/Beim Steinernen Kreuz

Eine wenig anheimelnde „Hinterhofatmosphäre“ attestiert Prof. Eberhard Syring weiten Teilen des Ostertorviertels in den Nachkriegsjahren – so wie auf diesem Foto zu sehen, das in den 1960er Jahren an der Ecke Blumenstraße/Beim Steinernen Kreuz aufgenommen wurde.

Tatsächlich war das Viertel lange Zeit systematisch vernachlässigt worden. Was laut Syring vor allem daran lag, dass das Quartier schon seit den 1920er Jahren für einschneidende Verkehrsbaumaßnahmen auserkoren war. Bereits damals sei die Idee eines „Tangentenvierecks“ geboren worden. „Statt wie bisher die Fernverbindungsstraßen durchs Stadtzentrum zu führen, sollten sie nach den neuen Plänen nur noch das Zentrum ‚tangieren’.“

Warum also noch ins Viertel investieren, wenn es ohnedies umgekrempelt werden sollte? Das geschah zwar weder in den Tagen der Weimarer Republik noch in der Zeit des „Dritten Reichs“. Doch als die ärgsten Kriegsschäden behoben waren, holte man die alten Pläne wieder aus der Schublade. Eine erstaunliche Kontinuität von den 1920er bis in die frühen 1970er Jahre.

Merke: Nicht nur die braunen Machthaber profitierten wie beim Autobahnbau von den Vorhaben ihrer Vorgänger. Auch die bundesdeutschen Städteplaner fingen keineswegs bei Null an. Mehr dazu in der lesenswerten Titelstory Die „Mozarttrasse“ als Sackgasse.

Ostertor

Von Anbiet bis Zuckerklatsche

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